Das Labyrinth

Völlig unerwartet stehe ich am Seiteneingang der lutherischen Kirche in dem kleinen Städtchen Leer mit einem Mal vor einem Labyrinth. Es ist auf einer großen Wiese angelegt und lädt mich ein, es zu betreten. Die Wände der einzelnen Gänge sind aus Lavendelsträuchern gebildet, im Zentrum liegt ein Stein.
In Schule und Beruf hieß es immer, die kürzeste Strecke zwischen A und B ist eine gerade Linie – und das Ziel sollte auf dem schnellsten Weg erreicht werden.
Doch hier ist es anders! Der Weg führt mich nach innen, dann wieder weg vom Zentrum. Keine Sackgasse, kein Verirren, aber ein weiterer Um-weg. Nur vorwärtsgehend erschließt sich der gesamte Raum, immer wieder die Richtung wechselnd, das Zentrum umkreisend, bis ich vor dem Stein im Mittelpunkt stehe.
In mir formt sich eine Einsicht: „Der Weg ist wohl genauso bedeutungsvoll wie das Ziel!

Das Labyrinth ist ein altes geomantisches Zeichen. Wir finden es in allen Kulturen, auch im Christentum hat es Eingang gefunden und schmückt manches Bauwerk.
Besonders häufig ist es in den skandinavischen Ländern anzutreffen als sogenannte Steinlabyrinthe. Auf ausgewählten (Kraft) -Plätzen sind sie mit faust- oder kopfgroßen Natursteinen gelegt und begehbar. Viele stammen vermutlich aus der Zeit der Kelten und Wikinger und dienten vielleicht als Einweihungsplätze in das Geheimnis des Lebens.

Eine einfache Art die Weisheit des Labyrinths zu verstehen,  ist die aufmerksame Begehung mit den eigenen Füßen.

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Eine Antwort auf Das Labyrinth

  1. Ich liebe solche Labyrinthe. Und das hier ist besonders schön angelegt, mit dem Lavendel.
    Es inspiriert mich auch bald wieder eines in meiner Nähe aufzusuchen

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