Das Trauma der Umerziehung

Ich ahne, wie es dem kleinen lustigen blonden Mädchen erging, als es zum ersten Mal mit der Strenge des Lehrers in der Schule konfrontiert wurde. Zum großen Teil habe ich die Umschulung der Schreibhand ausgeblendet, aber manche Erlebnisse beschäftigen mich bis heute und bringen mich immer wieder zum Weinen. Mein inneres Kind meldet sich sehr oft und ich weiß, dass ich da ansetzen muss, um wirkliche Befreiung von den Verletzungen der Vergangenheit zu erfahren.

Das gravierendste Erlebnis, an das ich mich erinnern kann: Als mir der Lehrer Haare ausgerupft hat. Als meine Mutter mich am nächsten Morgen frisieren wollte um meine langen blonden Haare zu Zöpfen zu flechten, hat sie mit Entsetzen eine dicke Strähne ausgekämmt und wollte wissen, was da passiert ist. Sehr zögerlich habe ich es ihr erzählt. Was sie veranlasste mit den Haaren – ich sehe heute noch den Umschlag vor mir, in den meine Mutter die Haare steckte  – zu meinem Lehrer zu gehen. Ich kann mich nur noch an die Aussage meiner Mutter erinnern, dass der Lehrer „leichenblass“ geworden sei.

Heute habe ich Mitgefühl mit Dr.Trost, MUSSTE er doch einem kleinen störrischen linkshändigem Mädchen das Schreiben auf rechts beibringen. Damals wusste man noch wenig vom Phänomen der Linkshändigkeit.

Mein Mitgefühlt gehört heute aber auch der Schwester Immaculata, meiner Handarbeitslehrerin, die mir mit „aller Gewalt“ das Sticken mit rechts vermitteln WOLLTE, was ihr aber nicht gelungen ist.

Ich habe mich zu einem frechen Kind entwickelt, das die Mitschüler/innen auch verhauen hat. Wohl deshalb, weil ich diese Maßregelungen verstanden habe.

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